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Schutz der Beutegreifer

 

Nationalrat will Wegwerf-Plastiksäcke verbieten

Die kleinen weissen Wegwerf-Plastiksäcke sollen in der Schweiz verboten werden.

Der Nationalrat hat am Dienstag den 12.6.2012 eine Motion von Dominique de Buman (CVP/FR) mit 110 zu 73 Stimmen angenommen. Nun muss sich der Ständerat dazu äussern.

De Buman argumentierte, dass ein Verbot zwar nur ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz wäre. Auch sei die Situation in der Schweiz nicht derart gravierend wie in anderen Ländern. Trotzdem solle die Politik ein Zeichen setzen und sich zu einem besseren Schutz der Ressourcen bekennen.

In Frankreich, wo ein Verbot gelte, seien 90 Prozent der Konsumenten damit zufrieden, sagte de Buman. Achtlos weggeworfene Plastiksäcke seien zudem gefährlich für Fische sowie für Tiere u.a. landwirtschaftliche Nutztiere, welche solche Säcke essen würden. Bereits im Jahr 2008 hatte de Buman mit einer Motion ein Verbot von Wegwerf-Säcken verlangt.

Bundesrätin Doris Leuthard stellte sich gegen ein Verbot. Sie sagte, dass die durch Plastiksäcke entstehende Umweltbelastung nicht erheblich sei. Ein Verbot wäre nicht verhältnismässig. Die Abfallentsorgung funktioniere in der Schweiz gut und die Kehrichtsverbrennungsanlagen müssten frei gesetzte Energie zur Produktion von Wärme und Strom nutzen.

Auch der Ressourcenverbrauch sei relativ klein, sagte Leuthard. Die rund 3000 Tonnen an Plastiksäcken entsprächen nur knapp einem halben Prozent des jährlichen Verbrauchs von rund 850'000 Tonnen Kunststoffen in der Schweiz. Ausserdem habe der Papiersack als Alternative in seiner Ökobilanz nicht nur Pluspunkte. So sei der Wasserverbrauch bei der Papierherstellung hoch.

Greenpeace auch dafür, Detaillisten dagegen

Ökologisch mache ein Verbot durchaus Sinn, heisst es bei Greenpeace: «Plastiksäcke brauchen Hunderte Jahre, bis sie verrotten – man denke nur an den riesigen Plastik-Teppich vor der US-Küste. Und ihre Herstellung belastet die Umwelt», sagt Sprecher Yves Zenger. Für die Detailhändler ist dies hingegen kein Argument: Studien zeigten, dass die Öko-Bilanz der Papier- und der teureren, kompostierbaren Biosäcke erst bei häufigem Gebrauch besser ist. «Aus ökologischer Sicht bringt ein Verbot in der Schweiz keinen Mehrwert», sagt Beat Gerber von der IG Detailhandel. Kommt hinzu: «Werden die Plastik­säcke verboten, müssten wir Gemüse oder Früchte neu verpacken, was ökologisch kaum besser wäre.»

In Deutschland kommen laut Schätzungen jedes Jahr fünf Mrd. Plastiktüten auf den Markt, wobei dabei die abreißbaren Supermarkt-Plastiktüten etwa für Obst noch gar nicht mitgezählt sein dürften. Anläufe der Grünen, ein Verbot in Hamburg und Köln umzusetzen, scheiterten bisher. Bessere Chancen hat derzeit die EU-weite Regelung. "Der europäische Binnenmarkt erschwert Vorstöße einzelner Staaten. Mögliche Instrumente einer schrittweisen Umsetzung wären das Verbot der kostenlosen Abgabe von Plastiktüten sowie eine Besteuerung der Ausgangsmaterialien wie bei der Mineralölsteuer", schlägt BUND-Sprecher Rosenthal vor.

Laut BUND verbraucht jeder Deutsche pro Jahr durchschnittlich 500 Plastiktüten - kleine Obsttüten eingerechnet. «Das ist eine inakzeptable Ressourcenverschwendung. In manchen Meeresregionen sind die Plastikteppiche größer als die vorhandene Planktonmenge. Die Tiere fressen sie und über Fische und Meerestiere gelangen die schädlichen Stoffe auch wieder zurück zum Menschen.»

Ökologisch keine Alternative sind Tüten aus Bioplastik, die Rosenthal als "reine Verbrauchertäuschung" bezeichnet: "Sie erfüllen das umweltfreundliche Versprechen nicht." In Ermangelung eigener Rücknahmesysteme landen Bioplastik-Tüten meist im Hausmüll und werden folglich verbrannt, während sie für die Biotonne gar nicht geeignet sind: Ihr Abbau ist zu langsam, was etwa Kompost-fressende Tiere gefährdet. Schwerer wiegt aber wohl der Kritikpunkt, dass Kunststoffe aus Pflanzenbasis über den gesamten Lebenszyklus betrachtet ebenso schädlich sind wie Erdöl-Plastik.

"Plastiktüten sind eindeutig die schlechteste Art der Verpackung. Günstiger sind Stofftaschen, die über Monate oder sogar Jahre wiederverwendet und dann dem Recycling zugeführt werden können", betont der BUND-Sprecher. Auch Papiertüten seien eine Alternative, sofern sie nach Verwendung dem Altpapier zugeführt werden. "Am wichtigsten ist bei allen Maßnahmen das Umdenken - weg von der heute oft noch vorherrschenden Wegwerfmentalität und hin zu einem Denken in Kreisläufen. Dieser Wandel erfordert viel Kommunikation, wobei ihm Gesetze und Kosten Nachdruck verleihen."

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